Oder: Wie zerstöre ich eine Kinderseele

Die Zeitungsmeldungen überschlagen sich in regelmäßigen Abständen immer wieder: „NPD schleicht sich in Beiräte und Vereine“ oder „Rechtsextremistin im Elternbeirat.“ Das große Lamentieren und Anklagen beginnt. Doch wer hat sich neben den Anprangerungen in der gleichgeschalteten Presse  und den öffentlichen Diffamierungen einmal näher mit den Konsequenzen dieser auseinander gesetzt? Man sollte einmal darüber nachdenken, warum denn gerade so viele Eltern, die dem rechten Spektrum oder der NPD zuzuordnen sind, in Elternvertretungen, Beiräten oder Initiativen zu finden sind. Es sind wohl gerade diese Eltern, die sich für ihre Kinder und deren Belange einsetzen. Wie verwerflich! So ist es auch Tatsache, dass die Eltern im Kollektiv und innerhalb der Elterngemeinschaft Sympathie genießen, denn nicht ohne Grund, haben sie ein Amt inne. Erst mit dem Abreißen der vermeintlich bürgerlichen Tarnkappe kommt das große Erstaunen und Entsetzen. Wie ist nun dagegen vorzugehen? Sofort einberufenen Krisensitzung, Ausschluss, der Gang an die Presse und die einvernehmliche Erkenntnis, dass die Toleranz Nazis nicht tolerieren kann. So reicht das Repertoire vom Toleranz-Aufkleber an der Umkleide bis hin zum Bildzeitungsartikel. Doch wer wird ins Zentrum der Öffentlichkeit gerückt und muss mit der allgegenwärtigen Verachtung umgehen. Es sind die Kinder, die im Namen der Demokratie bloß gestellt werden und deren Leben von heute auf morgen gewaltsam verändert wird. Aber nicht nur die „Nazikinder“ sind das Opfer – nein – kein Kind versteht, warum es auf einmal nicht mehr mit seinem Freund sprechen oder zu ihm nach Hause zum Spielen darf.  Die unabdingbare Konsequenz der Handlungen selbsternannten Ordnungshüter und Beschützer der Demokratie ist die Isolierung unserer Kinder und die Zerstörung ihrer Seele. Auch wir sind in erster Linie Menschen und vor allem Eltern. Aus Liebe zu unseren Kindern halten wir es wie  Jean Paul Friedrich Richter, Schriftsteller und Pädagoge der deutschen Klassik, der meinte, dass der Mensch von Natur aus gut , ja,  das Kind gerade zu heilig sei und die Erziehung diesem unverdorbenen Selbst zur ungestörten Entfaltung verhelfen muss. Wir, die wir täglich aufgrund unserer Meinung Repressalien ausgeliefert sind, erziehen nicht ohne Grund unsere Kinder von unserer politischen Einstellung unabhängig. Denn wir wollen, wie andere Eltern auch, unseren Kindern eine glückliche Kindheit und die Entwicklung zu einem frei denkenden und selbstbewussten Menschen ermöglichen. Wenn Toleranz gepredigt wird, dann muss sie auch gelebt werden. Auch uns steht das Recht der freien Meinungsäußerung zu und unseren Kindern das Recht einer relativen autonomen Pädagogik. Schon der Erziehungswissenschaftler Theodor Litt forderte die pädagogische Verantwortung der Erzieher, sich selbst Zurückhaltung aufzuerlegen um dem Kind die eigenen Auffassungen  (z.B. politischer Art)  nicht aufzudrängen. Wir sind es nicht, die, die Politik in die Kindergärten und Schulen tragen. In der Hoffnung einen Preis für Zivilcourage zu erhaschen, sollten diese Kleingeister, die weit reichenden Konsequenzen ihrer Handlungen begreifen. Denn ihr Kampf gegen die  „braune Brut“ fordert Kinderseelen. Wenn hier der mittelalterliche Grundsatz der Sippenhaft zur Rechtfertigung in die demokratische Gegenwart herangezogen werden soll, dann müssen an den Toren von Kindergärten und Schulen Schilder angebracht werden mit der Aufschrift „Kinder haften für Ihre Eltern!“